NFP: Natürliche Familienplanung im Überblick
| ||
zuletzt aktualisiert am 21.12.2022 mit wissenschaftlichen Quellen belegt |
Chancen aufs Wunschbaby steigern oder hormonfrei verhüten: NFP macht’s möglich
Bei der NFP (Natürliche Familienplanung) wird der weibliche Zyklus genau beobachtet und ausgewertet. Dadurch lernst du verschiedene körperliche Symptome genau zu bestimmen und wie du deine fruchtbaren Tage berechnen kannst. Wenn du an diesen Tagen Sex hast, steigerst du deine Chance auf eine Schwangerschaft deutlich. Oder du tust genau das nicht und nutzt die NFP als ein natürliches und hormonfreies Verhütungsmittel. Wofür du die NFP-Methode auch einsetzen möchtest: Wir zeigen dir im Folgenden, wie die Methode angewendet wird, was dabei zu beachten ist und wie sicher sie ist.
Das Wichtigste in Kürze
Die NFP (Natürliche Familienplanung) umfasst Methoden, mit deren Hilfe du hormonfrei verhüten oder deine Chance auf eine Schwangerschaft erhöhen kannst.
Am bekanntesten ist die symptothermale Methode als Bestandteil von NFP. Dabei bestimmst du deine fruchtbaren Tage, indem du täglich deine Aufwachtemperatur misst sowie deinen Zervixschleim und die Muttermund-Lage beobachtest.
Wenn du dich an die Regeln der NFP hältst und die Anwendung mehrere Zyklen lang übst, gewährleisten die Methoden eine sehr sichere Verhütung.
Video: Das Wichtigste in 4 Minuten
Was ist NFP und wofür wird sie genutzt?
Die NFP (Natürliche Familienplanung) ist eine Bezeichnung, unter der Methoden zusammengefasst werden, mit deren Hilfe du 1) eine Schwangerschaft anstreben kannst oder 2) eine Schwangerschaft vermeiden kannst. [1] Eines haben alle Maßnahmen gemeinsam: Sie sind natürlich. Ungeeignet für NFP sind daher hormonelle Verhütungsmittel, wie z. B. die Antibabypille und die Hormonspirale.
Als Alternative zur Pille und anderen Verhütungsmitteln ist die NFP mittlerweile recht bekannt, sodass es zahlreiche Anwenderinnen gibt. Von der sexuellen Beratungsstelle Pro Familia wird die zur NFP gehörende symptothermale Methode (mehr dazu weiter unten in unserem Text) unter den Verhütungsmitteln aufgelistet. [2] Die Auflistung bei Pro Familia zeigt, dass die NFP angesehene und wissenschaftlich gestützte Methoden umfasst, mit denen du deine Schwangerschaft sicher planen oder auch verhindern kannst. Voraussetzung für die Sicherheit ist, dass du die NFP richtig anwendest. Doch was musst du bei der NFP eigentlich machen?
Bei der NFP beobachtest du deinen Zyklus. Du prüfst, welche Körpersymptome du im Laufe der verschiedenen Phasen des weiblichen Zyklus feststellst und lernst, was diese bedeuten.
Ein einfaches Beispiel für ein Symptom, das jede Frau kennt, ist die Menstruation am Anfang des Zyklus: Während der Regelblutung kannst du aller Voraussicht nach nicht befruchtet werden. Nur wenige Frauen mit einer stark verkürzten ersten Zyklushälfte und der Ovulation (Eisprung) kurz nach der Menstruation können durch ungeschützen Geschlechtsverkehr während der Menstruationsphase schwanger werden. Die erste Zyklushälfte dauert bis zum Eisprung, der in vielen Fällen rund zwei Wochen nach dem Beginn des Zyklus stattfindet.
In der obigen Grafik ist ein beispielhafter Zyklus mit einer Länge von 28 Tagen abgebildet. Bei diesem ist der Eisprung an Tag 16 markiert. Um diesen herum liegen die fruchtbaren Tage. Genau diesen Zeitpunkt gilt es mit Hilfe der NFP herauszufinden!
Abseits von dem besonders offensichtlichen Symptom, der Regelblutung, existieren weitere Anzeichen, die du mit Hilfe der NFP-Methoden beobachten und auswerten kannst, um auf fruchtbare Tage und unfruchtbare Tage zu schließen. Voraussetzung dafür sind die Messung deiner Basaltemperatur sowie die Kontrolle des Zervixschleims und der Muttermund-Lage. Damit kommen wir zur praxisorientierten Frage…
Wie funktioniert die NFP?
Die NFP umfasst verschiedene Methoden. Hierzu gehören insbesondere die bereits angesprochene symptothermale Methode, die Temperaturmethode und die Billings-Ovulationsmethode. [1] Die Temperaturmethode und die Billings-Ovulationsmethode sind Teil der symptothermalen Methode, weswegen wir dir die symptothermale Methode erklären. Damit schlagen wir mehrere Fliegen mit einer Klappe. Du profitierst aufgrund der vielen in die symptothermale Methode einbezogenen Eisprung-Anzeichen und -Symptome von der höchstmöglichen Sicherheit im Rahmen der NFP.
Am Anfang steht die Ausrüstung
Zuallererst benötigst du Materialien, um die NFP richtig durchführen zu können:
- Literatur zur Information
- Zykluskalender
- NFP-Thermometer
Literaturkosten, die du normalerweise tragen müsstest, um dir das Knowhow anzueignen, entfallen. Denn wir erklären dir ausführlich, wie die Methode korrekt anzuwenden ist. Am Ende unserer Artikel findest du ein Quellenverzeichnis. So kannst du immer nachvollziehen, aus welchen seriösen, vertrauenswürdigen Quellen unsere Informationen stammen.
Die erste Ausrüstung, die du tatsächlich brauchst, ist ein Eisprungkalender. In diesem notierst du deine Beobachtungen während des Zyklus. Auch einen solchen Kalender findest du auf unserem Portal - nämlich hier! Dieser enthält einen Chart, in den du täglich deine Aufwachtemperatur einträgst. So entsteht über die Zeit deine NFP-Kurve. Die Veränderungen deiner Temperatur im Zyklus sind ein wichtiger Anhaltspunkt zur Ermittlung deiner fruchtbaren Tage; mehr dazu im nächsten Abschnitt. Abgesehen von dem Chart findest du in unserem Zyklusblatt eine Tabelle, in der du weitere Beobachtungen deiner Körpersymptome notierst.
Zuletzt ist da noch das NFP-Thermometer - besser bekannt unter dem Namen Basalthermometer - zur Messung deiner Körpertemperatur. Das Besondere an diesem Thermometer ist, dass es über eine feine Messspitze verfügt und die Messergebnisse mit zwei Nachkommastellen anzeigt. Diese Genauigkeit ist für die Natürliche Familienplanung ein Muss! Ohne ein Thermometer mit zwei Nachkommastellen ist die Sicherheit der NFP bei der Verhütung nicht gegeben und die Wahrscheinlichkeit zur Erhöhung deiner Chancen aufs Wunschbaby sinkt.
Du hast die Ausstattung beisammen? Dein Eisprungkalender und dein digitales Thermometer mit zwei Nachkommastellen warten auf den Einsatz? Gut. Dann stellt sich nur noch eine Frage: Was machst du mit der Ausrüstung?
Anwendung der NFP-Methode: Schritt für Schritt zur Herrin über deinen Zyklus
Was verrät dir deine Basaltemperatur?
Von deiner Periode bis kurz vor dem Eisprung pendelt die Temperatur um ungefähr 0,1 bis 0,2 °C täglich. Dementsprechend siehst du in deiner gezeichneten NFP-Kurve keine auffälligen Ausschläge.
Bald wirst du merken, wann der Eisprung ist, denn zu diesem Zeitpunkt steigt die Temperatur deutlich an. Du stellst dabei vom einen Tag auf den anderen einen Anstieg von meist 0,4 °C oder sogar mehr fest. Jetzt weißt du laut NFP, wann dein Eisprung stattgefunden hat.
Bleibt die Basaltemperatur bis zum Ende deines Zyklus auf dem erhöhten Niveau, dann handelt es sich um ein Anzeichen für eine Schwangerschaft. Eine typische Schwangerschaftskurve zeichnet sich also dadurch aus, dass der Verlauf nach dem Eisprung konstant oben ist. Bleibt zusätzlich auch deine Periode aus, solltest du einen Schwangerschaftstest durchführen.
Sinkt die Temperaturkurve nach deinem Eisprung, bist du wohl nicht schwanger.
Die NFP-Methode in der regelmäßigen Anwendung
Wie sicher ist NFP?
Um eine möglichst hohe Sicherheit bei Anwendung der NFP zu gewährleisten, braucht es Übungszeit. Bei diesem Thema wollen wir kein Blatt vor den Mund nehmen: Wenn du die NFP sofort anwendest, ohne deinen Zyklus eine Zeit lang zu beobachten, sind Fehler vorprogrammiert.
Übe daher an mehreren Zyklen die Anwendung der NFP und mache dich mit deinem Zyklus vertraut. So erhöhst du die Chancen auf die Erfüllung deines Kinderwunsches und senkst die Wahrscheinlichkeit für eine ungewollte Schwangerschaft - je nachdem, was dein Ziel ist. Wie viele Zyklen du üben sollst, ist nicht einheitlich geregelt. Pro Familia rät beispielsweise zu drei bis vier Zyklen Übungszeit. [5] Anders wird es in einem Artikel der ÄrzteZeitung empfohlen, in dem u. a. Studien zur Sicherheit der NFP als Verhütungsmethode vorgestellt werden. Dort ist in einer Passage eine Übungszeit von nur ein bis drei Monaten angegeben. [6]
Bereits innerhalb dieser Übungszeit darfst du keine hormonellen Verhütungsmittel mehr einnehmen, da diese deinen natürlichen Zyklus ausbremsen. Bei der Nutzung von hormonellen Verhütungsmethoden findet in den meisten Zyklen kein Eisprung statt. Daher bleiben für die NFP relevante Symptome aus. Deine Basaltemperatur, die Lage des Muttermundes und der Zervixschleim weisen bei hormoneller Verhütung keine Veränderungen auf, die für eine angemessene Zyklusbeobachtung ausreichen würden. In der Zeit, in der du die Anwendung der NFP übst, solltest du demzufolge auf eine hormonfreie Verhütung umsteigen:
- Gängige Verhütungsmittel sind das Kondom für den Mann und das Kondom für die Frau.
- Das Diaphragma muss von einer Fachkraft angepasst werden. Zudem sollte es mit einem Verhütungsgel für bessere Sicherheit kombiniert werden.
- Wiederum einfacher, aber dafür weniger sicher, ist die Verhütungsmethode Koitus Interruptus (unterbrochener Geschlechtsverkehr).
Nachdem in der Übungszeit hormonfrei verhütet wurde und du das Gefühl hast, deinen Zyklus und die damit verbundenen Körpersymptome in verschiedenen Phasen zu kennen, kannst du die NFP als Verhütungsmethode nutzen. Falls du dies gewissenhaft machst, ist die Sicherheit bei der Verhütung hoch. Pro Familia beispielsweise spricht für die symptothermale Methode einen Pearl-Index von 0,4 bis 1,8 aus. [2]
Über den Pearl-Index
Der Pearl-Index bringt anhand von Zahlen zum Ausdruck, wie viele Frauen von 100 voraussichtlich schwanger werden, wenn sie das jeweilige Verhütungsmittel anwenden. Ein Index von 0,4 bis 1,8 bei der symptothermalen Methode bedeutet, dass zwischen 0,4 und 1,8 von 100 Frauen bzw. zwischen 4 und 18 von 1.000 Frauen schwanger werden, wenn sie auf diese Weise hormonfrei verhüten und sich zusammen mit ihrem Partner an die Regeln halten. Zum Vergleich: Die Pille erhält einen Pearl-Index von 0,1 bis 0,9. [2]
Wie wichtig die angesprochene Übungsphase für die Zuverlässigkeit der NFP ist und warum du dich mit deinem Partner außerdem an die Regeln halten solltest, zeigt eine auf der Website des Universitätsklinikums Heidelberg erwähnte Studie:
- Bei einem Drittel der untersuchten Frauen wurden Zyklusschwankungen zwischen 10 und 17 Tagen festgestellt. [7] Angesichts dieser Schwankungen ist es nur allzu naheliegend, dass die Frage “NFP - wann Eisprung?” erst nach der Beobachtung mehrerer Zyklen zuverlässig beantwortet werden kann.
- Unter NFP-Anfängerinnen wurden bei Untersuchungen 1,8 von 100 Frauen schwanger; wie im Pearl-Index als Höchstzahl angegeben.
- Hielten sich die Anwenderinnen der NFP jedoch an die Regeln - wobei vor allem der konsequente Verzicht auf Sex bzw. die konsequente mechanische Verhütung beim Sex an den fruchtbaren Tagen eine Rolle spielt -, dann kam es statistisch bei 100 Frauen nicht mal zu einer ungewollten Schwangerschaft; es wurden nur 0,6 von 100 Frauen schwanger. [7]
Abschließend möchten wir dir noch einen Hinweis zur Anwendung der NFP bei Kinderwunsch geben: Wie in derselben Quelle des Universitätsklinikums Heidelberg anhand einer weiteren Studie untersucht wurde, nimmt es bei bei einer vorausgehenden, hormonellen Verhütung eventuell mehr Zeit in Anspruch, bis sich dein Zyklus wieder einpendelt. So dauert es unter Umständen bis zum 9. Zyklus nach dem Absetzen der Pille, bis sich die Länge des Zyklus normalisiert und sich der Eisprung so zuverlässig ermitteln lässt wie bei Frauen, die vor dem Kinderwunsch nicht hormonell verhütet haben. [7]
Dies ist an dieser Stelle kein Plädoyer gegen die Pille, sondern lediglich ein Hinweis, wieso die Anwendung der NFP bei dir anfangs eventuell schwierig sein könnte. Mache dir deswegen keine Sorgen und gedulde dich etwas länger. Irgendwann wird die fleißige Führung deines Eisprungkalenders sicherlich Früchte tragen.
Hebammentipp
Janette Harazin
Hebamme, Elterncoach, Autorin und Gründerin einer Hebammenpraxis
Es stimmt, dass bei Sex rund um den Eisprung die Chance auf eine Schwangerschaft am höchsten ist. Doch ich möchte dir ans Herz legen, dass euer Kinderwunsch nicht der einzige Grund für Sex sein sollte - auch euer Spaß und Wohlbefinden sind nach wie vor sehr wichtig!
Expertinnentipp
Marina Bartmann
Gesundheits-& Präventionscoach / Zyklusexpertin
Auf der Suche nach einer sicheren Alternative zur Pille bin ich über NFP gestolpert. Ich habe mich mit ca. 30 Jahren das erste Mal mit meinem Zyklus beschäftigt und kann mir heute nichts anderes mehr vorstellen. NFP bringt dich deinem Körper so viel näher. Du lernst dadurch, die Zeichen deiner Fruchtbarkeit zu kennen und bist deinem Körper Monat für Monat dankbar für diese wundervolle Arbeit, die er vollbringt. Mit NFP merkt man recht schnell ob etwas nicht stimmt oder alles in Ordnung ist.
Quellenverzeichnisse
[1] Raith-Paula, E.; Frank-Hermann, P.; Freundl, G.; Strowitzki, Th.: Natürliche Familienplanung heute - Modernes Zykluswissen für Beratung und Anwendung. Heidelberg: Springer Medizin Verlag, 2008. 4. Auflage.
[2] https://www.profamilia.de/themen/verhuetung/pearl-index (letzter Abruf: 07.04.2021; 12:17 Uhr)
[3] https://flexikon.doccheck.com/de/Basaltemperatur (letzter Abruf: 07.04.2021; 12:18 Uhr)
[4] Croon, M.: Schwanger werden. Stuttgart: TRIAS Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG, 2004.
[5] https://www.profamilia.de/themen/verhuetung/fruchtbarkeitswahrnehmung (letzter Abruf: 07.04.2021; 12:25 Uhr)
[6] https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Sichere-Kontrazeption-durch-Natuerliche-Familienplanung-319535.html (letzter Abruf: 07.04.2021; 12:26 Uhr)
[7] https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/verfahren/natuerliche-familienplanung-200343/ (letzter Abruf: 07.04.2021; 12:26 Uhr)
Bildrechte
[1] © iStock.com/stefanamer
[2] © iStock.com/KatarzynaBialasiewicz
[3] © Pixabay - Gardini
[4] © Unsplash - Thought Catalog
[5] © Pexels - Nataliya Vaitkevich
Wir erstellen unsere Ratgeberartikel auf der Basis von wissenschaftlichen Quellen. Dennoch möchten wir darauf hinweisen, dass sich die Angaben in keinem Fall als Ersatz für eine professionelle, ärztliche Beratung oder Behandlung eignen. Die Inhalte von miapanda.de können und dürfen daher nicht verwendet werden, um selbst eine Diagnose zu stellen und/oder eine Behandlung zu beginnen.