Basaltemperatur: Familienplanung und Verhütung

geschrieben von:
Verena Sandner

zuletzt aktualisiert am 12.10.2021
mit wissenschaftlichen Quellen belegt

Basaltemperatur als Mittel zur Familienplanung und Verhütung

Das Messen der Basaltemperatur ist eines der zuverlässigsten Verfahren, mit dem du deine fruchtbaren Tage berechnen kannst. Dadurch ist es ein überdurchschnittlich gutes Mittel im Rahmen der natürlichen Familienplanung und Verhütung. Du wünschst dir sehnlichst ein Baby, doch der Traum ging bisher nicht in Erfüllung? Du möchtest nicht hormonell verhüten, um deinen Körper vor unnatürlichen Eingriffen in den Hormonhaushalt zu bewahren und um deine natürliche Balance zu erhalten? Dann sind die folgenden Infos genau das Richtige für dich! 

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Basaltemperatur unterliegt im weiblichen Zyklus ständigen Schwankungen. Durch regelmäßige Messungen lassen sich Rückschlüsse auf die fruchtbaren Tage einer Frau ziehen.

  • Zum Ende und Beginn der Periode entspricht die Basaltemperatur der Normaltemperatur. Vor dem Eisprung sinkt die Basaltemperatur minimal und steigt daraufhin deutlich und rapide für mehrere Tage um meisten 0,4 bis 0,5°C an.

  • Am zuverlässigsten sind die Messungen im After und der Vagina. Es sollte immer auf die gleiche Weise gemessen werden.

  • Wenn du die Messung der Basaltemperatur mit der Prüfung des Zervixschleims kombinierst, kannst du deine fruchtbaren Tage noch sicherer bestimmen.

Was ist die Basaltemperatur?

Die Basaltemperatur ist die minimale Körpertemperatur die sich während des Schlafs einstellt, wenn sich der Körper im Ruhezustand befindet. Man misst diese direkt nach dem Aufwachen, denn die Temperatur deines Körpers verändert sich im Laufe des Tages aufgrund des Stoffwechsels und der alltäglichen Aktivitäten. [1] Von dieser Eigenschaft leitet sich auch das Synonym “Aufwachtemperatur” ab. 

 

Durch die Messung der Basal- bzw. Aufwachtemperatur im Zyklus gewinnst du Rückschlüsse darauf, wann deine fruchtbaren Tage sind. Denn nach dem Eisprung übt das Hormon Progesteron einen thermogenetischen Effekt aus. Das bedeutet: Die Aktivität des Hormons wirkt sich auf das Wärmezentrum aus und beeinflusst so deine Körpertemperatur. [2] Wenn du dich bereits mit weiblichen Hormonen beschäftigt hast, dann weißt du, dass die Ausschüttung des Progesterons wenige Tage nach dem Eisprung ansteigt und später sinkt. Folglich steigt bzw. sinkt auch die Basaltemperatur. 

 

Dank der Aktivität des Progesterons stellst du Veränderungen der Basaltemperatur fest und kannst deine fruchtbaren Tage besser berechnen. Die Messung der Basaltemperatur in der Periode ist ein nützliches und zuverlässiges Vorgehen im Rahmen der natürlichen Familienplanung (NFP). Diese Zuverlässigkeit steigerst du, wenn du die Messung der Basaltemperatur mit der Untersuchung des Zervixschleims kombinierst. Diese Kombi bezeichnet man als symptothermale Methode. Also worauf warten wir? Werfen wir einen Blick darauf, wie du deinem Kinderwunsch mit der richtigen Methodik auf die Sprünge hilfst! 

Basaltemperatur richtig messen und auswerten

Ein Basaltemperatur-Thermometer (oder einfach: Basalthermometer) dient als Messgerät deiner Aufwachtemperatur. Am besten lässt sich die Basaltemperatur messen, wenn du das Thermometer in die Vagina oder den After führst. An diesen Körperstellen verlaufen die Messungen zuverlässiger als bei der alternativen Messmethode im Mund. Wichtig ist, dass du dich für eine Messmethode entscheidest und dabei bleibst! An einem Tag im After zu messen und am anderen in der Vagina, würde die Ergebnisse verfälschen. Außerdem wichtig: Miss immer zur selben Zeit nach dem Aufwachen und führe die Messungen drei Minuten lang durch. 

So misst du deine Basaltemperatur richtig:

  • Immer nach dem Aufwachen zur selben Uhrzeit die Basaltemperatur messen. 

  • Mit dem Basaltemperatur-Thermometer idealerweise in der Vagina oder im After messen. 

  • Messung drei Minuten lang durchführen.

Schreibe dir die Werte aus den Messungen täglich auf. Zur Berechnung deiner fruchtbaren Tage steht anschließend die Auswertung der Basaltemperatur an: Der Schlüsselmoment, in dem sich die Basaltemperatur auffällig verändert, findet nach dem Eisprung (Ovulation) statt. Zu diesem Zeitpunkt zeigt sich zunächst ein Temperaturabfall, auf den eine deutlich erhöhte Temperatur folgt. 

 

Am besten kannst du die Basaltemperatur mit einer Basalkurve auswerten. Die Basaltemperaturkurve veranschaulicht in Form einer Grafik den Temperaturverlauf. Wie wir wissen: Bilder und Grafiken sagen mehr als tausend Worte! So ist es auch bei den Basaltemperaturkurven, die anhand des Verlaufs den wahrscheinlichen Zeitpunkt des Eisprungs direkt erkennbar machen. 

Beispiel für eine Basalkurve

Die Basaltemperatur entspricht vor der Periode und zu Beginn der Periode der normalen Körpertemperatur von ca. 36,6 °C. Während der Regelblutung und auch danach ist es normal, dass die Basaltemperatur um täglich 0,1 °C - seltener: 0,2 °C - schwankt

 

In unserer Beispielgrafik ist der wahrscheinliche Eisprungtermin am 14. Tag der Periode. Hier zeichnet sich vor allem eine Auffälligkeit ab: Es findet eine deutliche Veränderung der Basaltemperatur nach dem Eisprung vom 14. auf den 15. Tag des Zyklus statt. Hier sehen wir einen Anstieg von sage und schreibe 0,5 °C! Daher ist klar: Es liegt wahrscheinlich ein Eisprung vor. 

Weil die Basaltemperatur ohne Eisprung nicht ansteigt und das Thermometer immer den gleichen Wert anzeigt, wirst du nervös? Keine Sorge. Auch wenn der Anstieg der Temperatur ausbleibt, bedeutet das nicht zwingend etwas Schlimmes. Hin und wieder kann es im Zyklus einer Frau dazu kommen, dass kein Eisprung stattfindet. Nur falls es in mehreren Zyklen hintereinander zu keinem Eisprung kommt, dann suche bitte eine Ärztin oder einen Arzt auf und lass dich untersuchen und beraten. 

In einem Zyklus mit Eisprung und ohne Schwangerschaft folgt auf den Anstieg der Basaltemperatur ein Abfall. Die Messungen sinken nach dem Eisprung auf das Niveau, das die Basaltemperatur kurz vor der Periode und zu Beginn der Periode hat. Darauf folgt der nächste Zyklus und du machst mit den Messungen wie gewohnt weiter. Bedenke, dass es beim Messen der Basaltemperatur nicht sofort im ersten Monat zu einer Schwangerschaft kommen muss. Lasse dich nicht unterkriegen, wenn dein Baby-Wunsch etwas länger auf sich warten lässt. Nutze die Temperaturmethode bzw. symptothermale Methode stets mit Geduld. 

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Wie entwickelt sich die Basaltemperatur bei Schwangerschaft?

Diese Basalkurve zeigt beispielhaft, wie sich deine Basaltemperatur im Falle einer Schwangerschaft verändert. Bis kurz nach dem Eisprung ist der Verlauf der Kurve unverändert. Dann aber zeigt sich: Die Basaltemperatur sinkt nicht. Wenn du zwei bis drei Wochen lang ununterbrochen eine Hochlage der Basaltemperatur feststellst und noch dazu deine Periode ausbleibt, dann liegt nahe: Du bist schwanger!. Die Basaltemperatur bei Schwangerschaft ist neben dem Schwangerschaftstest eines der zuverlässigsten Schwangerschaftsanzeichen. 

 

Eventuell - das ist individuell und wissenschaftlich jedoch nicht genau ergründet - findest du in der Basalkurve ein weiteres Indiz für eine Schwangerschaft. Unter Umständen kommt es sechs bis neun Tage nach dem Eisprung zu einem Anstieg der Basaltemperatur bei Einnistung; also zu dem Zeitpunkt, wenn sich der Zellball in der Gebärmutter einnistet. Die Basaltemperatur bei Einnistung steigt jedoch weniger deutlich an als beim Eisprung. 

Wie lässt sich die Basaltemperatur noch auswerten?

Wenn dir die Erstellung einer Grafik zu aufwendig ist, kannst du eine einfache Basaltemperatur-Tabelle anlegen. In diese schreibst du die Tage deines Zyklus und die entsprechenden Temperaturen. Das sieht dann zum Beispiel so aus: 

ZyklustagTemperatur
136,6°C
236,5°C
336,4°C
436,4°C
536,5°C
636,4°C
(...)(...)

Wenn du einen deutlichen Temperatur-Ausreißer nach oben hin feststellst, kannst du ihn in deiner Basaltemperatur-Tabelle rot umkreisen. So sind die Auffälligkeiten deutlich gekennzeichnet.  


Wir empfehlen dir diese Art der Dokumentation allerdings nicht, denn die Führung einer solchen Tabelle ist äußerst unüblich und auch unübersichtlich. Stattdessen empfehlen wir dir, unseren kostenlosen Eisprungkalender zu nutzen. In diesen kannst du, neben deiner täglichen Basaltemperatur, zahlreiche andere Werte eintragen. Diese helfen dir dabei, deinen Zyklus bestmöglich kennenzulernen und deine fruchtbaren Tage möglichst zuverlässig zu bestimmen. 

Wir möchten dir an dieser Stelle kurz erklären, wie du diesen Kalender nutzen kannst: Zuerst notierst du den Monat (z. B. März/April) und fängst mit dem ersten Tag deiner Periode an. Sollte es der 18. März sein, dann trägst du beim Wochentag oben den 18. ein. Darunter markierst du, ob es eine Blutung gab. In den ersten Tagen der Periode wird das mehrmals der Fall sein. Falls du die Basaltemperatur misst, notierst du den Messzeitpunkt und setzt bei dem jeweiligen Ergebnis aus dem Kalender (zwischen 36,0 °C und > 38,0 °C wählbar; Anm.) das Kreuz an dem zugehörigen Tag. 


Darüber hinaus kannst du eintragen, wenn es zu Zwischenblutungen kommt, du einen Mittelschmerz spürst oder Geschlechtsverkehr hast. Auch Veränderungen des Zervixschleims sowie der Muttermund-Lage und –Festigkeit sind zuverlässige Anzeichen, die dir Aufschluss über deine fruchtbaren Tage geben. Diese notierst du wie folgt: 

  • Struktur des Zervixschleims: Die Abkürzung “s” trägst du ein, wenn der Schleim eine mindere Qualität hat und klumpig, trübe und zäh ist. Mit der Abkürzung “s+” beschreibst du die Eigenschaften durchsichtig, flüssig und leicht spinnbar. Gibst du ein “Ø” an, so wurde kein Schleim abgesondert. 
  • Muttermund-Lage: Zur Beschreibung einer hohen Lage setzt du ein “h”, bei einer tiefen Lage ein “t”. 
  • Muttermund-Festigkeit: Diese umschreibst du mit einem “f” für “fest” und einem “w” für “weich”. 

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Im Zuge einer natürlichen Familienplanung und der Verhütung ist die Kontrolle des Zervixschleims eine wertvolle Ergänzung zur Messung der Basaltemperatur. Die Basaltemperatur schwankt nicht selten auch durch Erkrankungen, Stress oder andere Einflüsse. Daher kann es zu Fehlinterpretationen kommen. Möchtest du die Sicherheit der Methodik steigern, dann prüfst du zusätzlich deinen Zervixschleim. Bei der Beobachtung von Zervixschleim und Messung der Basaltemperatur spricht man von der symptothermalen Methode (STM). 

 

Wenn du den Zervixschleim aus der Scheide im Laufe des Zyklus täglich zwischen deinen Fingern fühlst, dann merkst du, dass sich die Konsistenz verändert. In den Tagen vor dem Eisprung wird der Schleim zunehmend so, wie wir es oben in der Aufzählung mit “s+” umschrieben haben: spinnbar, durchsichtig, flüssig. Zum Zeitpunkt des Eisprungs und danach verändert sich die Konsistenz wieder in Richtung “s”: zäh, klumpig und wenig Schleim. 

 

Du möchtest die Sicherheit der symptothermalen Methode erhöhen und die Basaltemperatur noch zuverlässiger auswerten? Dann kannst du noch den Muttermund untersuchen. Eine tiefe Muttermund-Lage und ein fester Muttermund sind mit den Fingern in der Scheide gut zu ertasten. So fühlt sich der Muttermund an den nicht fruchtbaren Tagen an. Demgegenüber steht der weiche und hoch liegende Muttermund an den fruchtbaren Tagen, der schwieriger zu ertasten ist. 

 

Das ist dir immer noch nicht genug an Methoden zur natürlichen Familienplanung und zur Verhütung? Dann empfehlen wir dir zum Abschluss unseren Artikel über den Ovulationstest. Dieser basiert auf der Messung des Hormons LH (Luteinisierendes Hormon), dessen Konzentration rund 24 bis 36 Stunden vor dem Eisprung ansteigt. 

Ovulationstest: Fruchtbare Tage präziser berechnen


Wie misst man die Basaltemperatur? 

Für die Messung der Basaltemperatur benötigst du ein spezielles analoges oder digitales Basalthermometer. Dieses hältst du drei Minuten lang in die Vagina oder in den After. Wichtig ist im Anschluss, dass du bei einem Messort bleibst und nicht jedes Mal an einer anderen Körperstelle misst. 

Wann sinkt die Basaltemperatur?

Die Basaltemperatur sinkt einige Tage nach dem Eisprung. Bis kurz vor der Periode und zu Beginn der Periode entspricht die Basaltemperatur der normalen Körpertemperatur. 

Wie hoch ist die Basaltemperatur bei einer Schwangerschaft? 

Wenn nach dem Eisprung die Basaltemperatur nicht sinkt, bist du womöglich schwanger. Die Temperatur schwankt dann auf dem Niveau, das sie beim Anstieg nach dem Eisprung hatte: Zwischen 36,5 °C und 37,0 °C sind weit verbreitet. 

Wie lange ist die Basaltemperatur bei der Schwangerschaft hoch? 

Die Basaltemperatur, wenn du schwanger bist, ist ungefähr zwölf bis 16 Wochen lang auf einem höheren Niveau als die normale Körpertemperatur. 

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Quellenverzeichnisse

[1] https://flexikon.doccheck.com/de/Basaltemperatur (letzer Abruf: 03.02.2021; 14:22 Uhr) 

[2] Schmidt-Matthiesen, H.; Wallwiener, D.: Gynäkologie und Geburtshilfe - Lehrbuch für Studium und Praxis. Stuttgart: Schattauer GmbH, 2005. 10. Auflage. 


Bildrechte

[1] © iStock.com/myschka79

[2] © Manuel Findeis - stock.adobe.com


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